Aus dem Tagebuch von Ariadne

Oh meine Göttinen, wenn es brennt, dann richtig und auch überall gleichzeitig. Warum kann nicht einmal das Unglück alleine kommen und keine weiteren Schreckensnachrichten in der Hinterhand verstecken. Es brennt nun also nicht nur meine Heimat und mit ihr mein Herz sondern brannte auch mein Hals. Pal’Tamasch hatte nach uns gerufen. Diese furchtbaren Portalreisen die das Innerste wieder nach außen treten lassen. Immerhin ist der Boden hier sowieso schon durchgehend matschig und feucht und so merkt man glücklicherweise nicht auf was man tritt… solange man nicht nach unten sieht.

Zwei Portalreisen innerhalb weniger Tage und eine davon durch ein unzuverlässiges Temporäres. Die Gruppe um uns herum formierte sich neu und ich stelle fest, dass das Drecksprotal anscheinend nur ein Drittel meiner Reisegruppe wieder ausgespuckt hat.

Dann hörten wir plötzlich Schreie aus dem Wald und die Gruppe beschloss sich in diese Richtung zu orientieren. Eine weise Entscheidung wie sich herausstellte, denn die beiden Frauen betrieben die Taverne und kannten den Weg zur Ausgrabungsstätte, wo wir eigentlich hin wollten. Doch natürlich schreien die Frauen nicht grundlos, ihnen auf den Versen folgten Dunkelelfen. Eine Plage in diesem Teil des Landes, wie sich im Verlauf unserer Expedition immer deutlicher heraus kristallisieren sollte.

An der Ausgrabungsstätte angekommen sahen wir die Taverne brennen. Der Göttin sei Dank hatten auch andere die Reise geschafft und waren bereits am Löschen. Tatsächlich schienen alle Mitglieder der Feuerlanze es durch das zweite Portal geschafft zu haben und freudiger Weise sogar ein zusätzliches Mitglied. Meinen Bruder hatte es, wenn auch leicht ramponiert, ebenfalls hierher verschlagen. Ein kleiner Lichtblick in diesen dunklen Landen.

Warum genau die Dunkelelfen, welche dem Nachtsilberheer angehörten, das Lager angriffen konnte uns glücklicherweise ein der Ausgrabungsstätte zugehöriger Magier erklären. Er berichtete von dem Fund eines Tagebuches und einer Schriftrolle mit Ritualanweisungen. Sie wurden aus den naheliegenden Katakomben also der eigentlichen Ausgrabungsstätte geborgen. Woher die Dunkelelfen von ihrer Entdeckung wussten, konnte er uns nicht sagen, doch ihr Angriff hatte das Ziel genau diese Funde zu entwenden.

Es wurde deshalb in einer Lagerversammlung beschlossen diese Dinge zurück zu holen, was auch gelang. Nun handelte es sich bei den Schriftstücken jedoch um die Überreste einer längst verblassten Zivilistation, den Savantis. Und natürlich hatten die Savantis eine eigene Schrift. Meisterin Circe, Ruben und die Chronistin Resa, die glücklicherweise bereits einen Übersetzungsschlüssel besaß, setzten sich also an die Übersetzung der Schriftstücke. Genau genommen mussten erst im Areal befindliche Waagschalen ins Gleichgewicht gebracht werden, damit man die Schriftrolle mit der Ritualanleitung wieder lesen konnte. Diese Waagschalen standen je für eines der vier Elemente Feuer, Wasser, Erde und Luft. Dieses Schema sollte mir über die nächste Zeit noch sehr vertraut werden.

Bis in die frühen Morgenstunden verbrachte man also mit der Entzifferung diverser eng beschriebener Seiten. Währenddessen wurde eine erste Expedition in die Ausgrabungsstätte gestartet, um eventuell noch fehlende Teile des Rituals zu bergen.

Als ich am Morgen die schier endlose und sehr blumig ausgeschmückte Ritualanleitung das erste Mal las, wusste ich, dass meine Befürchtungen vom Vortag bezüglich des Rituals sich bewahrheiteten. Da wusste ich noch nicht wie Recht mein Bauchgefühl tatsächlich haben sollte.

Der zweite Tag begann mit magisch erschienen Briefen von unserem ersten Paladin, mit einer erfreulichen und dringend gebrauchten Stärkung im geistigen Sinne und einer körperlichen Stärkung in Form von Frühstück. Doch mit der Ankunft von Arcturus war dieser gemütliche Start in den Tag vorbei. Er sah sich sehr davon gestört, dass ich neben meiner Meisterin saß und verlangte, dass ein bloßer Lehrling dies zu  unterlassen habe. Aus der darauffolgenden Diskussion ergab sich der sehr interessante Umstand, dass wir Kriegshexen nur Gäste der Feuerlanze sind und da das Kriegsrecht herrscht das Matriarchat sowieso zurückstehen muss. Es wurde sich geeinigt, dass ich um die Ecke sitzen sollte. Ich nehme vorweg, dass Arcturus am nächsten Tag alleine mit seinen Offizieren oben saß und neben ihm eine leere Bank abgestellt wurde.

Im Verlauf des zweiten Tages wurden wir vermehrt von Dunkelelfen und ihren Lykanthrophen angegriffen. Anders als üblich wurde das Wetter zunehmend wärmer, fast schon drückend und bei einem Überfall im Wald fiel Darius. Das Bild von seiner Schwester Marigold, wie sie weinend über dem erstarrten Körper liegt, hat sich in meine Augen gebrannt und eine fiese Stimme ist mir durch den Kopf geschwebt, die immer wieder schrie: „Das könntest du sein. Das könnte Arvid sein.“

Meine Meisterin betrauerte zwar den Verlust, doch er war nun bei Pas und sie fand die Gelegenheit mehr als günstig zu versuchen ihn des Chaosenergiespeichers zu entledigen. Denn der Körper war ohne Seele und der Speicher hatte nichts woran er sich hätte klammern oder was er als Schutzschild hätte verwenden können.

Aus diesem guten Plan ergab sich leider, dass ein seelenloser Körper furchtbar ist um Energien durch ihn zu leiten. Durch meinen Fokus konnte ich sehen, wie träge sich alles bewegte und als ich später selbst versuchte die Energie erst zu sammeln und dann außerhalb des Körpers in die Energiespeicher zu lenken, konnte ich es fühlen. Widerlich! Wider der Natur! Es fühlte sich an wie fast getrockneten Gips zu verstreichen oder das Geräusch von schabenden Fingernägeln, die langsam über eine Schiefertafel kratzen und eine Kakophonie entflammen. Dabei ist sind die Ströme zäh wie Honig, der sich mit Baumharz mischt. Diese Energie zu leiten fiel mir schwer, aber komischerweise auch leichter als es mir das Wirken manchmal fällt. Die lähmende Angst zu verletzen, zu verbrennen und die Kontrolle zu verlieren fehlte mir in diesem Augenblick. Es war als wäre eine Last von meinen Schultern genommen und ich habe mich trotz der Ekelhaftigkeit meines Tuns befreiter als sonst im Angesicht der Magie gefühlt.

Der Göttin und Pas sei Dank, entschied dieser uns Darius Seele zurück zu geben, da dieser noch Aufgaben in seinem Leben hat. Er benannte fünf Kämpfer, die ihn dabei unterstüzten sollten: Circe, Isabell, Marigold, Joseph und Thorius.

Außerdem rauchte an diesem Tag vermehrt das instabile Portal zur Burg Rabenstein. Dabei tauchten immer wieder Briefe auf, die um gewisse Hilfsgüter baten, da die Burg vom Silberheer belagert wurde. Auch wenn ich einige erbetene Dienste, wie das verfassen neuer Bardenlieder, zweifelhaft sinnvoll fand, so stabilisierte sich das Portal durch das Erfüllen der Aufgaben.

Interessanter fand ich jedoch die Steelen, die im Umland entdeckt wurden. Es waren wieder vier, je einem Element zugeordnet, und ein Teil der Feuerlanze begleitete den großen Stoßtrupp. Ihre Anwesenheit wurde im Verlauf des Tages schmerzlich vermisst, denn natürlich witterten unsere Widersacher ihre Chance. Allerdings waren genug streitkräftige Frauen und Männer zurück geblieben sich ihrer zu erwehren und wir überstanden die Angriffe. Nach drei bis vier Stundengläsern entschloss sich ein Teil unserer Zurückgebliebenen zu ihnen zu stoßen und Stärkungen und Wasser mitzunehmen.

Wir kamen genau richtig, um beim Element des Feuers mitzuwirken. Auf der einen Seite entbrannte einem Zweikampf zwischen Thorius und Lucius und auf der anderen Seite taten zwei Liebende ihr Möglichstes sarephgefällig zu sein. Ich bin mir sicher, dass ihr Einsatz letztlich dazu geführt haben muss, dass die Aufgabe gemeistert wurde obwohl Lucius und nicht Thorius ihn gewann.

Gegen Mittag hatte mich der aufgelöste Orkheiler um Blut für sein Blutschwein gebeten, welches durch die Berührung eines Dunkelelfen plötzlich liebevoll und ruhig geworden war. Nach Absprache mit Circe half ich ihm, was sich in der Nach bemerkbar machte. Am Lagerfeuer sitzend erlebte ich plötzlich und ohne Vorwarnung drei Tage im Wald und Körper des Orks. Die Sinneseindrücke sind erschlagend gewesen und ich bin davon unendlich müde geworden, denn er hatte drei Tage nicht geschlafen. Ich legte mich also zur Ruhe und versuchte Schlaf zu finden.

Am letzten Tag beschäftigte ich mich viel mit der Ritualvorbereitung. Das Ritual sollte  eine Trommel herauf beschwören, welche uns zwar vor Ort nichts bringen würde, aber wahrscheinlich ein benötigtes Schlüsselteil für die Öffnung des Göttergefängnisses darstellte. Zumindest war der wieder aufgetauchte Svalin davon überzeugt, dass es sehr sinnvoll wäre das Ritual durchzuführen und die Trommel an sich zu nehmen.

Vielleicht sollte ich einen Antrag stellen neben dem ersten bösen R-Wort auch Ritual als zweites böses R-Wort aufzunehmen. Circe sollte für den Aspekt des Feuers ihre Energie geben und ich sie mit Energie versorgen, sollte dies nötig sein. Dabei ergab sich, dass alle Komponenten für das Ritual vorhanden waren oder zumindest in Anfertigung waren außer dem Modulator. Dies ist ein Energiewandler, den man mit klerikaler, arkaner oder sonstiger Energie speisen kann und der diese in Savantienergie umwandelt und ins Ritual fließen lässt.

Auch deshalb startete die Feuerlanze zusammen mit der Priesterin Hasel, dem befreundeten Kleriker Ruben, ihrer Gästin Circe und zwei Pas-Priesterinnen eine erfolgreiche Expedition in die Ausgrabungsstätte, um die restlichen Teile für den Modulator zu beschaffen.

Damit konnten wir alle Teile zusammensetzen und das Ritual in den Abendstunden beginnen. Zunächst mussten sieben Energiespeicher mit Energie gefüllt werden.

Das oberste, ein Savalpaldrishi zu erst. Für mich sah es wie ein Einhorn aus, aber Svalin war sehr bestimmt in der Benennung dieses wohl heiligen Wesens. Danach erfolgte die Ladung zweier Statuen. Eine weiblich, die andere männlich. Sie standen für die sechs Zwischenelemente, welche die Savanti in ihrer Magie bildeten. Zuletzt wurden die vier Elementarsteine geladen. Der Feuerstein war der Letzte. Durch die Benutzung hatte sich der Modulator erhitzt und Energie für einen Hitzeschutz war gerade unentbehrlich. Außerdem ging den ladenden Magiern langsam die Energie aus. Da meine Meisterin im nächsten Schritt ihre Energie geben sollte und diese deshalb konservieren musste, kam deshalb mir die Aufgabe zu den Modulator zu bedienen und meine Energie hineinzugeben.

Ohne Angst die Kontrolle zu verlieren und mit einem angenehm warmen Gefühl an den Händen begann ich also. Es war weniger ein Geben von meiner Seite als ein Entreißen vom Modulator. Meine Energie floss und floss. So etwas habe ich noch nie erlebt. Alles um mich herum verschwand und ich konnte die Stimmen nur noch dumpf hören. Es fühlt sich wie hoher Blutverlust und Ersticken gleichzeitig an. Nur schneller und so grausam, da alle Empfindungen bezüglich der Magie verstärkt werden. Ich glaube ich habe geschrien und wirklich zu mir gekommen bin ich erst als ich auf dem Boden lag.

Wäre ich nur Augenblicke später zu mir gekommen, hätte ich tatsächlich Blut verloren. Denn anders als unsere Ritualbeschreibung vermuten ließ, hielten die von uns erschaffenen Energielinien den Feind nicht aus dem Ritualkreis zurück. Stattdessen stellte sich einer von ihnen an die erschienene Trommel und begann ihre Kraft zu nutzen, um die Mauern der Burg Rabenstein einzureißen, die ja weiterhin belagert wurde.

Gleichzeitig stürmten Dunkelelfen auf uns von vorne ungeschützte Magier zu und stachen auf uns ein. Sie konnten die Ritualstätte ungehindert verlassen, wir jedoch wurden von den Kraftlinien aufgehalten. Ich vermute es hing damit zusammen, dass sie die Trommel hatten, aber eine echte Erklärung konnte niemand liefern.

Nachdem wir uns neu orientiert hatten, beschlossen die Ritualleiter, dass wir das Ritual in umgekehrter Reihenfolge wieder auflösen mussten. Dies bedeutete die Energie wieder in uns aufzunehmen während von vorne Dunkelelfen angriffen.

Einer der Energiegeber wagte sich als erster ans Aufnehmen und sein Anblick verhieß nichts Gutes. Schnell begriffen wir, dass wahnsinnige Mengen an magischem Potential in den Linien und Kraftspeichern des Rituals flossen. Es gab immer einen Wirker der den Modulator nutze die Energie zu entziehen. Doch dieser musste ungefiltere Savantienergie in sich aufnehmen. Da ich ebenfalls zu den wenigen leeren Magiern gehörte, entkam auch ich der unangenehmen Aufgabe ihn zu benutzen nicht.

Bisher kannte ich nur das Gefühl von meiner Schwester Aminata arkane Energie zu empfangen und es war stets angenehm gewesen. Jetzt fühlte es sich an wie eine Gans gestopft zu werden. Die Energie entlud sich nur langsam aus den Energiesteinen. Deshalb gab es immer einen Magier der die Energie direkt aus dem Modulator bezog und mindestens einen weiteren Magier der die Energie weiter in sich übertrug. Auch auf mir spürte ich mindestens zwei Hände und sie zogen. Beide müssen größere Macht als ich besessen haben, was mich auch nicht verwundert, aber dafür sorgte, dass unglaubliche Mengen an Energie durch mich strömten. Zum ersten Mal habe ich gedacht, dass Portalreisen sich eigentlich ganz angenehm anfühlen. Als der Stein endlich entladen war musste ich dort sitzen und gleichzeitig konnte ich nicht dort sitzen. Ich wollte alles los werden. Das Gefühl zu viel Energie zu haben ist schlimmer gewesen als keine zu haben. Wie ein Schwert hing sie über meinem Kopf und drohte stets die Überhand zu gewinnen und sich meiner Kontrolle zu entziehen. Alle Magier waren mit Entladen der Energielinien oder dem sinnvollen Entladen ihrer Kräfte in andere oder Zauber beschäftigt. Meine Angst vor mir und meinen Kräften ist mir nie so deutlich vor Augen geführt worden wie dort.

Die nächsten Stunden sind verschwommene Bilder in meinem Kopf. Ich weiß, dass ich entweder kurz vor einem Ausbruch stand, wie ein Vulkan oder mich ohne einen einzigen Funken Feuer in mir fühlte. Mir war schlecht, ich hatte Kopfschmerzen, eigentlich generell Schmerzen. Meine Energiebahnen brannten und ich torkelte übers Schlachtfeld.

Zwischendurch lief ich wohl irgendwie in die Klinge eines Dunkelelfen. Der Göttin sei Dank hatte ich noch eine klerikale Rüstung auf mir liegen. Trotzdem machte ich einen Abstecher zum Heilerlager und gab meine überschüssige Energie dort dem verwundeten Georg. Einen kurzen klaren Moment hatte ich beim Verlassen des Heilerlagers als ich Lady Larissa mehr oder weniger zusammenhängend erzählte was vorne los war. Es stellte sich heraus, dass sie in jungen Jahren eine kurze Zeit beim Sarephorden verbracht hatte und unsere Energie ebenfalls abnehmen würde. Als ich später meine Meisterin traf, war ich immerhin geistesgegenwärtig genug ihr diese Information weiter zu geben. An viel kann ich mich allerdings nicht mehr erinnern.

Ich weiß die Trommel wurde Svalin anvertraut und mehr will ich nicht mehr davon wissen. Zumindest für heute.

Confotos

Fotograf: Dunkle Lande Orga