Das Turney vom Einhorn

Die Turney begann für mich bereits in Erbnacht im Reiche Galladorn, als meine Knappenschwester Theofania meinem Herren schlechte Kunde von der heimischen Front brachte. Ein Umstand, der ihm zum eiligen Abreisen am nächsten Tag drängte. Glücklicherweise eh dem Tag an dem wir abzureisen pflegten. Allerdings nun nicht mehr Richtung der Turney vom Einhorn. Einen Umstand der mich betrübte, zeitgleich jedoch einen, mir bis dahin unerklärten Drang weckte, ja mich fast schon eifern ließ zurück auf das Schlachtfeld zu kehren. Scheinbar vernahm mein Herr diesen Drang und tadelte mich dafür. „Aber warum?“ fragte ich mich insgeheim und wie so oft brach aus mir die Empörung erneut für etwas Tadel zu erhalten, was doch so Sarephgefällig ist. Voranzustürmen und unseren Feinden Vergeltung und Rache entgegen zu werfen. „Stille!“ gebot mir Herr von Lauenbach, nahm Papier und Stift, beschrieb eilens 2 Blatt Papier und gebot Theofania und mir anschließend ihm zu folgen. Unser Ziel war Leomar von Falkenberg, Baron von Tron, wie mir einige Schritt später gewahr wurde. Mein Herr richtete das Wort an ihn und sprach: „Hochwohlgeboren, ich bitte euch meine Knappen an meiner statt zum Turney vom Einhorn zu nehmen. Der Krieg bindet mich und verlangt nach meiner Führung. Lehrt Theofania und Georg, was ich ihnen lehren wollte.“

Mir verrutschte das Gesicht. Das bedeutete ich ging nicht an die Front. Mein Herr verstoß mich von seiner Seite. Bevor ich weitere Gedanken formen konnte erschall die Antwort des Barons. „Ich nehme deine Knappen und werde sie lehren was ich vermag. Sie sollen dem galladornischen Turnierritter Ulrich von Lichtenfels zur Seite stehen und ihm in der Turney unterstützen.“

So schien es entschlossen zu sein, als Herr von Lauenbach dem Herren von Falkenburg die 2 Papiere übergab, auf dem Aufgaben für uns standen, die er sich ersonn. Ich wurde gewiesen meine Ausrüstung umzuladen und als ich dies tat, trat mein Herr an mich und hieß mir darüber nachzudenken, warum ich nicht mit ihm an die Front soll. Wie so oft in letzter Zeit glitt meine Hand an Tessas Ring, den ich zusammen mit einem Amulett Sarephs um den Hals trage, während ich darüber nachdachte. „Ich erwarte eine Antwort sobald du zurück kehrst.“ waren die letzten Worte aus dem Munde meines Herren. Und so dachte ich auf meiner Reise nach. Ohne Erfolg.

 

Tage Später begann nun die Turney. Wir errichteten unser Lager und legten es zusammen mit der allerländer Reisegemeinschaft. Theofania und mir wurde gestattet einen Altar zu ehren Sarephs aufzubauen und so machten wir uns daran den Altar wie gewohnt aufzustellen. Dies jedoch sollte sich als Fehltritt herausstellen.

Unser erster Tag bestabd darin Herr von Lichtenfels zur Turnieranmeldung und zu den ersten Lanzengängen und Fußkämpfen zu begleiten. So wurd mir bewusst wie sehr er doch seinem Wappentier im kampfe ähnelte. Einem bewehrten Eber gleich preschte er im Fußkampf voran und drängte seine Kontrahenten mal um mal an die Schranken. Doch sein erster Kampf gegen einen Jungspund bei dem die Schwerter so laut klirrten, dass ich dachte sie brächen jeden Augenblick, verlor er. Der weitere Turniertag stand unter keinem besseren Stern. So kam es, dass Herr von Lichtenfels gegen den britonischen Cavalieri Mateo da Ponte im Tjost verlor. In Rage über die fragwürdigen Entscheidungen der Turnierritter forderte Herr von Lichtenfels den Cavalieri sofort zum Fußkampf. Nachdem wir ihn dafür rüsteten und er in das Lager der beilsteiner und naxener Gesandschaft ging um dort mit seiner Gunstdame, in deren verstorbenen Bruders Namen mein Herr das Turnier ausfocht, auf den Kampf zu warten. Dort erhielt ich meine erste Lektion dieses der Mäßigung. Einer ritterlichen Tugend die mir selbst mal um mal abhanden kommt. Ich dachte mir die ganze Zeit. “Ja heiß brennt Sarephs Zorn in meinem Herren dieser Tage. Die Fügung hat mich zu einem Ssarephgefälligen Mann geführt.” So wurde ich überrascht als wir im Lager ankamen und der Herr sich dort bei uns Knappen, seiner Gunstdame und dem mittlerweile eingetroffenen Cavalieri da Ponte entschuldigte und kund tat, dass sein verhalten fehlgerichtet war. Sein Zorn galt nicht Mateo da Ponte sondern den Juroren, die in den Augen vieler falsch entscheideten. Diesen Zorn hätte er fast gegen einen Freund gerichtet. Und so fühlte ich mich zurückversetzt zu unseren Manöverübungen und wie ich falsche Worte des Zorns gegen meinen Herren und Freund richtete ohne vorher diese Erkenntnis zu haben. Ich schämte mich bitterlich in diesem Moment.

 

Am Abend des ersten Turniertages wurde eine Knappenrunde einberufen zu der Theofania und ich uns gesellten. Wir waren zahlreich in der Knappschaft. Vielleicht ein dutzend oder anderthalb. Doch eine fehlte. Adana, Knappin des beilsteiner Ritters Gawyn von Arkenweg, wurde wegen einer Verfehlung ihres Rittervaters gegenüber nicht zur Knappenrunde entlassen. Ihr beilsteiner Knappenbruder forderte uns auf ihr beizustehen. Ohne weitere Fragen stand ich auf und meine Brüder und Schwestern mit mir. Wir gingen in das Lager Gallerdorns, stellten uns in die Mitte, hinter den Platz auf dem Adana saß. Ihren Herren gegenüber. Wortlos streckte erst ihr Knappenbruder eine Hand auf ihre Schulter. Dann folgte die meine und die eines weiteren Bruders. Eine Hand ergriff meine Schulter und so einte sich die Knappschaft hinter Adana. Wortlos. Entschlossen den Rittern der Runde in die Augen blickend. Und unsere Geste wurde verstanden. Adana durfte sich uns für den Abend anschließen. Wir diskutierten in der Runde über ihre Verfehlungen, gaben Rat und vergaßen unsere Sorgen bis zum nächsten Morgen in Gelächter und Alkohol.

 

Den zweiten Turniertag starteten wir mit einem Göttinendienst zu dem wir Herr von Lichtenfels einluden. Am Altar angekommen musste ich feststellen, dass mein Knappenbruder Yoran im Inbegriff war unseren Altar zu verdecken und einige Symboliken umzuarrangieren, sodass sie nicht mehr sichtbar waren. Ich stellte ihn. Und erzürnt sagte er die Phalli und Darstellungen nackter Haut missfalle ihm und den Damen. Ich fragte ihn ob ihm ein Phallus fremd sei worauf hin er verärgert ging. So richtete ich den Altar. Mein ansinnen war es Herr Ulrich einen Segen der Göttinen auszusprechen, auf dass der zweite Turniertag besser verlaufe. Ich erklärte meiner Schwester die Riten und wir vollzogen den Göttinendienst mit dem Herren. 

 

Ich musste feststellen, dass Sareph ihm nicht Hold war, denn an diesem Tag erfuhr Herr von Lichtenfels eine Verwundung seiner Rippe, die wie ich am nächsten Tag erfuhr schon einmal stark von einem Eber den der Herr erjagen wollte verletzt wurde. So blieb ihm nichts anderes als einen Ersatz für ihn zu arrangieren. Herr von Arkenweg bot sich dafür an. So verbrachte ich den Rest des Tages mich um die Pflichten zu kümmern, die Herr von Lauenbach mir auftrug. Im Zuge dessens kam ich mit Rittern, wie auch Damen ins Gespräch über unseren Altar. So erhielt ich die zweite Lektion in Mäßigung. Ich wurde zwar nicht direkt auf den Altar angesprochen aber es wurde wohl viel über ihn gesprochen und tatsächlich erregte er missfallen durch die Offenheit die wir darauf zur Schau stellten. Nun wusste ich ja eigentlich über die Meinung der anderen Gesandschaften über meinen Glauben. Ich dachte ich ich kann ihre Akzeptanz erzwingen indem ich sie damit konfrontierte. Sie würden sich schon daran gewöhnen dachte ich mir. Ich musste einsehen über die Strenge geschlagen zu haben und die Geduld aller über Maß strapaziert zu haben. Sie jedoch haben sich uns gegenüber gemäßigt und uns in der Ausübung unseres Glaubens nicht gestört. Uns dafür sogar Raum gelassen, den kein anderer, etablierte Glaube beanspruchte. So sah ich meinen Fehler ein und nahm vom Altar alle Phalli und Bilder nackter Haut. Lediglich die Statuette Sarephs die noch Haut zeigte ließ ich stehen und betete den restlichen Tag zu Seraph um Vergebung und zu Mara um Verständniss, dass ich im Sinne der Freundschaft handelte.

 

Den letzten Tag verbrachte ich ebenfalls in Gesprächen mit Rittern Allerlands, Galladorns und Aturiens und lauschte ihren Lehren. So wurde ich vom Reichsritter Allerlands Gotfried von Greifenstein gefragt, warum ich Ritter werden wolle. Ich berührte erneut Tessas Ring um meinen Hals, wie so oft, wenn ich nachdenke. Der Gedanke an Sie erleichtert und beschwert mich. Da fiel es mir wie Schuppen von den Augen und ich antwortete:“ Ich will mein Land schützen. Ich will verhindern, dass noch mehr das Leid erfahren, welches ich erfahren musste und geliebte Menschen verlieren. Als Ritter in Viranes kann ich dafür sorgen. Ich will in die Postion Dinge zu verändern und mein Land zum besseren zu gestalten.” Herr von Greifenstein war sichtlich zufrieden mit der Antwort. 

Die Pflichten für das Turnier waren gering, da mein Herr aus dem Tjost ausschied. Aber im Fußkampf bot er noch ein letztes Mal einen formidablen Kampf. Sein Herold stand ihm an diesem Tag nicht mehr zur Verfügung. So war es mir eine Ehre ihn bei seinen Kämpfen ankündigen zu dürfen. 

Des Abends lehrte ich Theofania wie ich einen Göttinendienst zu halten pflege und übergab ihr die Aufgabe, sich darin zu versuchen. Sie benötigt noch etwas Routine, aber es klang doch vielversprechend. 

Nachdem alle Ritter des Tages ihre Lanzengänge beendeten durfte gar die die Knappschaft einmal einen Lanzengang wagen. Herr von Arkenweg stellte sich dazu zur Verfügung. Nach der fünften Lanze hintereinander riss ein Schulterriemen seiner Rüstung. Glücklicherweise blieb er ohne Verletzung. Einer der Knappen übernahm seinen Platz. Es war eine einmalige Erfahrung, die ich wohl so schnell nicht mehr machen werde.

Der Tag endete damit, dass ich das Urteil von Hochwohlgeborenen von Falkenberg, Herr von Lichtenfels und sogar der königlichen Hoheit Galladorns erbat, ob ich den Begriff der Ehre in den letzten Tagen lebte. Ich sprach über die Taten, die ich für ehrenwert hielt. Über den Beistand an meiner Knappenschwester, über die Einsicht und Korrektur eines Fehlers und über die Dienste an Herr von Lichtenfels. Der König sagte mir, er könne mich nicht beurteilen, da er nur wenig von mir sah, aber er stellte mir eine Frage. “Gereicht es einem jungen Ritter zur Ehre, wenn er in feindlichem Gebiet seine Farben ablegt, um mit Gemeinen Seit an Seit streiten zu können?”

Nach kurzer Bedenkzeit antwortete ich. “Ein Ritter soll seine Farben nicht ablegen. Er soll seine Truppen führen und ihnen ein Vorbild sein. Er soll in seinen Taten gesehen werden und über seine Taten soll stets geurteilt werden. Eine solche Tat gereicht ihm nicht zur Ehre.” Der König sagte mir nicht, ob meine Antwort richtig sei. Aber sie ist vereinbar mit dem, was ich Herrn von Greifenstein sagte und woran ich glaube. Herr von Falkenberg jedoch sprach mir sein Lob aus und sagte, ich würde dereinst einen passablen Ritter abgeben. Bei diesen Worten schlug mein Herz höher. Und in diesem Moment formte sich ein Gedanke, über den ich sinniere, bis ich wieder an der Seite meines Herren stehe. Aber ich denke, Herr von Lauenbach schickte mich zur Turney, damit ich von den dortigen Rittern lerne, was man in dieser Position bewirken kann und dass ich später als Paladin mehr nütze als jetzt als Knappe. Die Front vermisst mich nicht. Aber ich versuche durch Zorn und Wut, die ich an der Front ausleben kann, meinen Gram über meinen Verlust zu begraben. Dies war meine letzte Lektion in Mäßigung. Ich will mich gedulden und mäßigen. Meine Ausbildung zielstrebig aber auch vollkommen zu absolvieren. Die anwesende Ritterschaft öffnete mir dafür die Augen und ich denke weiterhin, ich kann noch einiges mehr von ihnen lernen. So will ich meinen Herren fragen, ob er mich für Jahr und Tag nach Galladorn schickt, um dort den letzten Schliff zu erhalten.