AUSZUG AUS DEN CHRONIKEN DES JOSEF AUS DEM FISCHBACHTAL
Eine weitere Reise nach Paal’thamash gegen Anfang des Monats Oktober des
Jahres 1024 nach Nevenburger Zeitrechnung
Es sollte wieder einmal nach Paal’thamash gehen. Diesmal sind wir einem Aufruf des
sogenannten „Bündnis der Ehernen Inseln, des Schattenwalds und des Viergestirns“
gefolgt, um die elende Brut der Malfari und das ewige Heer Tai’Pins aus diesen
Landen zu verjagen. Endlich hatten sich die Anführer der Kräfte des Guten –
zumindest für Paal’thamash-Verhältnisse waren sie „gut“ – zusammengetan, um ihre
Kräfte zu bündeln und gemeinsam zurückzuschlagen. Wir als Feuerlanze sind mittels
einer Portalschriftrolle zum Lager des Kriegszugs in der Freistadt Rabenau und
später von dort aus in die Nähe des Örtchens Flötingen teleportiert worden. In
Flötingen sollten wir ein uraltes Artefakt – das sogenannte Klangtor – sichern, da
einer der Heerführer der Malfari – ein gewisser Thramug Tu’lak durch dieses
Elementarwesen beschworen und dem Kriegszug so empfindliche Schläge
verpassen könnte. Die Operation sollte unter dem Kommando eines Herrn Richard
Schiefer von der Schattenwaldlegion stehen, von dem später noch etwas
ausführlicher berichtet wird.
Kaum waren wir durch ein Portal in der Nähe von Flötingen angekommen, begannen
wir, zum Dorf vorzurücken und einen vorgeschobenen Kommandoposten zu
errichten. Dabei mussten wir uns durch allerlei Malfari-Gezücht kämpfen und trafen
zu unserem Erstaunen auf Nathan und Isabell von der Kirche der Sune. Auf der
einen Seite waren wir alle froh sie zu sehen, aber auf der anderen Seite waren sie
hier in großer Gefahr und vor allem Darius sorgte sich sehr um das Wohlergehen der
beiden. Zu allem Überfluss trafen wir auch noch auf Korporal Caine Barret, dem
„Untoten“ des Ordens. Zwar hatte Sir Wilhelm höchstselbst mir gegenüber von der
unerschütterlichen Treue Cains gegenüber dem Regiment und Orden gesprochen
und ihn als wichtigen Verbündeten bezeichnet, aber sein Anblick behagte mir
trotzdem nicht. Und doch war es meine Aufgabe als Korporal, die anderen Gardisten
und Rekruten, die uns begleiteten und Caine noch nie zu Gesicht bekommen hatten,
davon abzuhalten, ihn direkt zu verbrennen oder anderweitig anzugehen. Erst einmal
aber hatten wir genug damit zu tun, uns der wiederholt angreifenden Malfari zu
erwehren. Ein Schreiber des Kriegszugs namens Nabil berichtete von drei Stelen, die
irgendwo im Wald verteilt waren und mit deren Hilfe die Malfari Thramug Tu’lak selbst
herbeibeschwören wollten. Da dies nicht toleriert werden konnte, wurden unmittelbar
Suchtrupps nach den Stelen ausgeschickt, um diese ausfindig zu machen und ins
Lager zu bringen, wo sie dann zerstört werden konnten.
In der Zwischenzeit hatten sich auch Herrin Circe und Leutnant Darius im
Kommandozelt eingefunden, da beide – mit einigen anderen uns bereits bekannten
Reisenden wie Jacen oder Palina – als „Strategen“ fungierten und direkt durch den
anwesenden Richard Schiefer unterrichtet und mit Aufgaben bedacht wurden.
Doch seien zunächst die Namen derjenigen genannt, die gemeinsam unter der
Führung von Hauptmann Arvid Sturmborn gen Paal’thamash auszogen: Herrin Circe
von Kleist, die Mara-Priesterinnen Hasel und Minzi, die Nozalinnen Vey und Marigold
sowie Hauptmann Arvid Sturmborn, Leutnant Darius von Plauenstein, Theophania,
Levi und der andere Levi, Lucius, Björn, Hakon, Taladorn, Don Anselmo, Argus,
Jean-Luc, Karl-Heinz Dreyfeldt und ich, Josef von Hechtenschlag aus dem
Fischbachtal. Daneben schlossen sich vor Ort Nathan, Ruben Grey und Isabell
unserem Lager an. Später kam noch ein Krieger namens Thor’sten dazu, ein Cousin
von der uns bekannten Skelligerin Ilva.
Da mein Herr Arcturus nicht zugegen, sondern auf dem Feldzug nach Wirra war, lag
es nun an mir als oberstem anwesenden Sareph-Kleriker, meinen Glaubensbrüdern
und Schwestern sowie insbesondere Theophania, Lucius und Levi zur Seite zu
stehen. Ich wollte unseren Herrn so gut es ging „ersetzen“, auch wenn es mich viel
Kraft und Anstrengung kosten würde und die Stiefel, in die ich mich temporär begab,
groß waren.
Im Laufe des Abends wurde ich dann von der Heeresleitung auf Vorschlag von
Leutnant Darius, dem ich dafür sehr dankbar bin, mit der Verwaltung der Soldkasse
der gesamten Operation in Flötingen sowie der Auszahlung des Solds an den
Folgetagen beauftragt. Ein großer Vertrauensbeweis und eine noch größere
Verantwortung, die ich zu tragen bereit war.
Schließlich wurden noch am Abend die Stelen gefunden und zerstört, so dass wir –
nachdem eine Delegation aus Tiefenturm mit Berichten von der Front zu uns
gestoßen war und von den Anstrengungen der gemeinsamen Heere berichtete – für
die Nacht etwas Ruhe hatten. Doch noch bevor ich mich ins Nachtgebet begab,
vertraute Darius mir etwas an, das meine Nacht sehr düster und unruhig werden ließ.
Er hatte mit Pater Kor und Grusim gesprochen, den (Hohe-)Priestern des Pars, und
diese hatten ihm verkündet, dass nunmehr ein Jahr seit seinem Tod und seiner
Auferstehung in Paal’thamash vergangen und Pars ihn am morgigen Tag zu sich
holen würde… Dunkle Träume und die Angst vor seinem Verlust plagten mich in
dieser Nacht, aber auch Selbstzweifel. Hatte ich als einer seiner auserwählten
Streiter versagt?
Am nächsten Morgen berichtete uns eine sehr übermüdete Circe, die noch bis in die
frühen Stunden des neuen Tages wach geblieben und mit anderen Magiern am
Klangtor gearbeitet hatte, davon, dass hier der Gott der Barden und des
Kunsthandwerks, Randril, gefangen und das Klangtor als eine Art Gefängnis oder
zumindest der Weg zu seinem Gefängnis diente. Um ihn zu befreien, bedurfte es
einiger Artefakte – eine Trommel und eine Flöte, die uns von der Delegation aus
Tiefenturm überlassen worden waren – sowie diversen „Klangsphären“, die überall
im angrenzenden Wald verteilt waren und so etwas wie eine Melodie bildete, mit
deren Hilfe der gefangene Gott befreit werden konnte.
Und so machten sich einige von uns gemeinsam mit anderen Reisenden auf, um im
Wald „Klangsphären“ zu suchen und/oder weitere Informationen zu sammeln, die uns
nützen konnten. Der Tag plätscherte nur so dahin, vor allem aufgrund verschiedener
Waffentrainings, klerikalen Lektionen, die ich meinen Mitknappen und Marigold
zuteilwerden ließ, sowie gelegentlichen Angriffen von Malfari und der ewigen Armee.
Daneben war ich sehr oft mit der Auszahlung des Solds für die Mitreisenden sowie
Seelsorge, Ausbildung der Kameradinnen und Kameraden und anderem beschäftigt
und war froh, mit Hauptmann Arvid Sturmborn eine Stütze gefunden zu haben. Mit
ihm konnte ich mich austauschen und beraten und er gab mir viel Kraft in diesen
schwierigen Tagen.
Doch es ist noch etwas schreckliches und Grausames passiert, von dem ich
schmerzlich berichten muss. Wir nahmen einen Soldaten der ewigen Armee
gefangen und wollten Informationen aus ihm herauspressen. Zunächst versuchte es
Theophania mit meiner Hilfe mittels eines „Lügen entdecken“ aber als das nicht half,
wurde der arme Mann von Ruben langsam zu Tode gefoltert. Ein schreckliches
Erlebnis und es war für mich seltsam, dass ein Mann, der einer Lichtgottheit geweiht
war, zu so einer Tat fähig war… Ich machte mir große Vorwürfe, denn statt
einzuschreiten oder dem Mann den Gnadenstoß zu versetzen, wandte ich mich
einfach ab und überließ ihn seinem grausigen Schicksal.
Bei Sonnenuntergang war es dann soweit; gemeinsam mit Herrin Circe, Marigold,
Isabell, Grai’ash (der als Ersatz für den abwesenden Thorius fungierte) und natürlich
Leutnant Darius begab ich mich in den Wald um dort Pater Kor und Grusim zu treffen
und Darius Schicksal zu erfahren. Ich war fest entschlossen ihm bis zum Ende
beizustehen bei egal was auch kommen möge. Zu sechst würden wir in den Wald
gehen und zu sechst wieder rauskommen, koste es was es wolle! Kaum waren wir im
Wald angekommen, wurde alles um uns herum dunkel und wir wachten in einer Art
Traumwelt auf. Pater Kor und Grusim standen vor uns und eröffneten, dass wir uns in
Darius Kopf befinden würden. Das Chaos in ihm sei nicht wie es seine Aufgabe
gewesen wäre bezwungen, aber Pars sei ein gütiger Gott und so sollten nunmehr
seine erwählten Streiter an Darius statt gegen das Echo des Chaos in seinem Kopf
ankämpfen. Und aus dem Nebel sahen wir die schreckliche Gestalt Asharaths auf
uns zukommen, groß wie ein Berg und von einer Aura aus Mordlust und blankem
Hass umgeben. Und zu allem Überfluss schienen Pater Kor und Grusim auf der Seite
dieses Monsters zu kämpfen! Lang und hart war der Kampf und wir alle fochten mit
Feuer und Mut im Herzen für Darius, unseren gemeinsamen Freund. Seite an Seite
standen wir und droschen auf das unheilige Wesen und seine beiden uns so
vertrauten Begleiter ein. Doch endlich, nach wir alle zahlreiche Wunden erlitten und
ich die Göttin angefleht hatte, mir noch ein allerletztes Mal Kraft zu schenken,
versetzte Darius dem Ungeheuer den Todesstoß. Erschöpft brachen wir zusammen
und Dunkelheit überkam mich als das Leben langsam aus meinem Körper wich. Kurz
bevor mich der Hauch des Todes jedoch erreichen konnte, hörte ich die Stimme von
Herrin Circe und spürte heiße Wärme und die feurige Umarmung der Herrin. „Nimm
dir so viel Kraft wie du brauchst und flick dich selbst zusammen“ hörte ich Herrin
Circe unter Schmerzen keuchen. Das Feuer der Herrin füllte mich aus und meine
Wunden verschlossen sich langsam, versiegelt von heiligem Feuer. Schließlich nach
einer gefühlten Ewigkeit waren alle Wunden geheilt und wir alle fielen in eine tiefe
Ohnmacht. Als wir wieder aufwachten, lagen wir am Waldesrand und hörten aus der
Ferne schon die vertrauten Stimmen unserer Kameraden auf uns zukommen. Ich
öffnete die Augen und als ich an mir herunterblickte, konnte ich keinerlei Wunde oder
sonstige Spuren des Kampfes erkennen. Auch die anderen Mitstreitenden schienen
unversehrt, aber genau wie ich sehr verwirrt. Das alles musste sich wirklich in Darius
Kopf abgespielt haben. Freudig empfingen uns unsere Kameraden und begleiteten
uns ins Lager zurück, wo uns Darius eröffnete, dass er noch einmal die Stimme von
Pars gehört habe. „Betrüge mich nie wieder, sonst wird das, was tot ist auch tot
bleiben!“ waren die Worte von Pars und so hatte auch dieses schreckliche Kapitel
sein Ende gefunden.
Am Abend noch hatte ich ein sehr tiefes Gespräch mit Isabell über die Bürde der
Paldinität und Verantwortung für sich und andere. Sie legte mir unter anderem nahe,
mir einen Ausgleich zu schaffen und auch mal etwas für mich selbst zu tun. Ihre
Worte trafen mich tief im Herzen und ich würde noch lange darüber nachdenken
müssen, was mir diese kluge und starke Frau an Rat gegeben hatte.
Aber nun zu freudigeren Themen: Knappenabend in der Taverne! Da nach einer
alten Regel alles, was am Knappenabend passiert, den Tisch nicht verlässt, werde
ich mich an dieser Stelle kurzfassen und nur kryptisch von Knutschhüten, Krönchen
und einer Menge Met berichten. Ein herrlicher Abend, der mir noch lange im
Gedächtnis bleiben wird.
Am Folgetag nun sollte es so weit sein und Randril befreit werden. Doch folgte
zunächst morgens ein intensives Waffen- und Kampftraining und diverse
Scharmützel mit Malfari und der ewigen Armee. Beim Morgenappell hielt Isabell eine
Rede zur Grausamkeit der Folter des vergangenen Tages und bat uns inständig
unsere Menschlichkeit zu bewahren und nicht so zu werden wie der Feind.
Zudem bat ich Minzi mir das Paladinwunder „Aura oder Gesinnung spüren“
beizubringen, was sie nach ihrem Ausflug in das Klangtor und die Zwischenebene
auch tat. Da ich bei dieser Reise nicht zugegen war, vermag ich leider nicht viel dazu
zu sagen, aber offenbar sollen dort jetzt Listen und Bürokratie eingeführt
werden…ein seltsamer Ort wie mir scheint. Jedenfalls bat ich Ruben zum Zweck des
Lernens einen Blick auf seine Aura zu werfen und was ich dort sah, erschütterte mich
zutiefst. Als ein dem Licht geweihter Kleriker sollte seine Seele eigentlich in einem
strahlenden Weiß erscheinen, doch dort war nicht mehr viel Licht übrig. Dunkle,
schwarze Flecken übersäten seine Seele und ich hatte große Angst um ihn, zumal er
sich dessen nicht bewusst schien und genauso überrascht war, wie ich als ich ihm
davon berichtete.
Später am Nachmittag unterhielt ich mich dann mit Taladorn, der schon lange ein Teil
der Armee war aber den ich bislang nicht kennengelernt hatte. Sein Ziel war es, ein
Knappe meines Herrn Arcturus zu werden und in Sarephs Namen Gutes zu tun. So
gab ich ihm die Aufgabe darüber nachzudenken, warum gerade er das Zeug dazu
haben sollte, ein Knappe zu werden und der Göttin dien zu können. Ich freue mich
schon auf das Folgegespräch dazu an einem anderen Tage.
Als die Nacht hereinbrach, wurde uns dann der Plan für die Befreiung des
gefangenen Gottes mitgeteilt. Während er mittels eines Rituals beschworen wurde,
mussten wir mit großer feindlicher Gegenwehr durch die Malfari und sogar eines
Abbilds von Thramug Tu’lak rechnen. Zu allem Überfluss war es für das Ritual
notwendig, dass während des gesamten Kampfes gesungen werden
musste…Dieses Lied sollte noch Tage und Wochen in meinen Ohren klingen, so
dass ich es an dieser Stelle nicht verschriftlichen möchte. Der Kampf tobte
erbarmungslos und hart und fast verloren wir Ruben und Hakon, die nach einem
Ausfall von Ruben hinter den feindlichen Linien zurückblieben und zu Boden
geworfen wurden. Ungeachtet jeglicher Befehlskette und -struktur sammelte ich eine
kleine Mannschaft und schickte schließlich Caine Barret als Schildbruder von Ruben
mitten in die feindlichen Linien und uns mit einem Eberkeil hinterher. Wir zogen
Ruben und Hakon raus und schafften beide zum Lazarett. Niemals würde ich einen
Kameraden und Freund zurücklassen! Wir glaubten uns alle schon verloren, doch
dann schrie das Abbild Thramug Tu’laks vor Schmerzen auf und die Malfari
verstreuten sich in alle Winde. Wir hatten gesiegt und den gefangenen Gott befreit!
Erschöpft ließ ich mich ins Gras fallen und hörte auf einmal Rubens Stimme neben
mir, der sich zu mir ins Gras fallen ließ. Unter Tränen berichtet er mir, dass er sich
der Flecken auf seiner Seele bewusst war und Dinge getan hatte, die er sich selbst
nicht vergeben könne. Er wolle sich an meinen Herrn Arcturus wenden und ihn bitten,
über ihn Recht zu sprechen als hoher Richter des Goldenen Avatars und
Paladinbruder. In der Feuerlanze habe er vielleicht seine neue Heimat gefunden und
diese solle über ihn richten. Und wenn dieser Tag kommen sollte, werde ich an seiner
Seite stehen. Wir sind alle Menschen. Niemand ist perfekt und die Göttinnen nehmen
uns mit unseren Fehlern und Schwächen an.
So endete unsere Reise nach Paal’thamash die eine der anstrengendsten und
aufwühlendsten Reisen war, die ich je erlebt hatte. Viel Gutes ist daraus erwachsen,
aber auch viele Fragezeichen und vieles, worüber ich nachdenken musste.
Confotos
Fotograf: Sascha Greilinger




























