AUSZUG AUS DEN CHRONIKEN DES JOSEF AUS DEM FISCHBACHTAL

Reise auf die Burg Leuenfels in Galladoorn im Januar des Jahres 1025 nach Nevenburger
Zeitrechnung

Unmittelbar zu Beginn des Jahres 1025 nach Nevenburger Zeitrechnung begaben wir,
damit meine ich Theophania, Don Anselmo, Argus, Lucius und meine Wenigkeit, uns mit
unserem Herrn Arcturus Varus von Lauenbach auf eine diplomatische Mission durch die
Mittellande. Doch während eines Aufenthalts in einer Schenke plagten meinen Herrn
finstere Visionen von einem Kampf zwischen Gut und Böse an einem seltsamen Turm.
Ferner hatte er eine Vision, in der die Seinen alle von einem Untoten dahingemetzelt
wurden. Grund genug, die nächsten Wochen wie gehetzte Tiere durch die Lande zu
ziehen, bis wir aus Zufall – oder war es Schicksal – in einem ausgetrockneten Flussbett
hoch in den Bergen nördlich von Zaorien auf ein zweiköpfiges Szepter stießen, von dem
eine Art klerikaler Sog ausging. Ganz so, als wäre es unausgeglichen und würde wie ein
Ertrinkender nach jedem Stock greifen, der ihm hingeworfen wurde. Dieses Artefakt war
offenbar eng mit den Visionen meines Herrn verwoben, so dass wir es an uns nahmen
und Nachforschungen anstellten, wo es herkam und was es sein konnte. Natürlich nicht
ohne mehrfach am Tag Seelenschutze auf unsere Kameradinnen und Kameraden zu
wirken. Da nur mein Herr und ich dazu in der Lage waren, war dies eine durchaus
kräftezehrende Angelegenheit.
Jedenfalls stieß mein Herr in einer Bibliothek auf ein Buch, dass die Symbolik auf dem
Szepter, eine Art verschlungener geflügelter Drache mit einer Spirale in der Mitte, mit
dem Orden der Streitbaren Schwestern zu Leuenfels in Galladoorn in Verbindung stand.
Also ging es für uns auf nach Galladoorn zur Burg Leuenfels.
Dort platzten wir unverhofft an einem eisigen Winterabend mitten in ein gerade
beginnendes Ritterkonvent, welches die Burgherrin, Alanna von Leuenfels, einberufen
hatte. Selbst seine königliche Hoheit Silvanus Magnus von Eichenhain war zugegen!
Nachdem wir das Gastrecht der Hausherrin erbeten und sie über das Artefakt in
Kenntnis gesetzt hatten, konnten wir letzteres abliefern und das „Problem“ der
galladoorner Ritterschaft überlassen. Bis auf den Umstand, dass wohl irgendetwas
einen positiven klerikalen Kraftfluss in das Szepter verhinderte, konnten wir aber nicht
viel darüber herausfinden. Es hatte wohl etwas mit einer Prophezeiung und einem
möglichen Untergang des Königreichs zu tun, aber man war irgendwie dann doch
dankbar, dass wir es an uns und zur Burg gebracht und nicht achtlos im Flussbett hatten
liegen lassen.
An diesem Abend unterhielten wir uns noch etwas mit den anwesenden Rittern und
Knappen – einige davon waren mir noch aus meiner Reise nach Aturien in (freudiger)
Erinnerung – und hielten zudem eine Gedenkgottesdienst für die Gefallenen im Kampf
um die Burg Leuenfels ab. Diese war augenscheinlich jüngst Opfer des Bürgerkrieges in
Galladoorn geworden und befand sich im Wiederaufbau. Eine stechende Erinnerung an
die Heimat…
Am Folgetag stießen dann auch Don Anselmo und Argus, die vorher Richtung Front
geeilt und dort um Hilfe bei unserer Mission ersucht hatten, wieder ein und berichteten
Schlimmes. Die Erstürmung der Garnison in Wirra, die eigentlich längst hätte
abgeschlossen sein sollen, war vollends zum Stillstand gekommen. Es ging weder ein
noch aus, da Mithariels Truppen von wo auch immer Verstärkung erhalten hatten und es
der Schwarzen Miliz nicht gelang, den Ring der Verteidiger zu brechen. Eine verzwickte
Situation, verzögerte sich dadurch doch auch die Rettung unserer arkanen Schwestern
im Langspitz…Herrin Circe von Kleist würde außer sich sein.
Nach einem Vormittag voller Training und Übungen kam es zu einem Duell innerhalb der
galladoorner Ritterschaft, an dem die Ritterin Laeona von Grünwied und die Gastgeberin
beteiligt waren. Zum Glück endete es ohne Tote, da sich beide dann doch vertrugen. Es
erfüllte mein Herz mit Trauer, dass es überhaupt so weit kommen musste…Aber
manchmal lassen sich zwischenmenschliche Probleme eben nur durch drastische
Maßnahmen lösen.
Im Anschluss wurde durch die Ritter aus Khirson ein Knappenturnier ausgerichtet, bei
dem mein Knappenbruder Lucius ehrenhaft den dritten Platz errang!
Nach einigen Unterrichtsstunden durch den Herrn Gottfried von Greifenstein und die
Dame Jordis von Greifenstein in Blumen- und Fächersprache war es Zeit für ein Bankett.
Da die Gastgeberin über eine hervorragende Dienerschaft verfügte, gab es für uns
Knappen fast nichts zu tun. Lediglich die Teller mussten wir aus der Küche
herausbringen und verteilen und dabei fiel mir sogar die große Ehre zu, seine königliche
Hoheit bei der Hauptspeise zu bedienen! Die Freunde darüber stand mir
augenscheinlich so sehr ins Gesicht geschrieben, dass auch mein Herr Arcturus sich ein
Lachen nicht verkneifen konnte. Oh, ich habe fast die grandiose musikalische
Begleitung durch ein Bardenquartett vergessen! Herausragende Musikantinnen und
Musikanten, die stets zuverlässig für ein sanftes Ambiente sorgten.
Im Anschluss an das Bankett gab es noch eine Feuershow, die durch eine Art Hofnärrin,
Rätsel genannt, des Herrn von Treuenturm aufgeführt wurde. Sie hatte eine Art kleine
Box mit sich, in der nach ihren Angaben ein Kobold oder soetwas „verwoben“ war. Da
sich das für uns sehr verworren anhörte, untersuchte mein Herr die Box danach und
verfiel in einen fast manischen Lachanfall. Die Waffen schon fast gezückt prustete er nur
etwas von „Koboldmagie“ und „völlig harmlos, aber lustig“ und ließ es auf sich beruhen.
Den restlichen Abend verbrachten wir – nachdem Don Anselmo und Argus leider
abreisen mussten – zu viert bei einer formidablen Vesperplatte, Wein und guten
Gesprächen. Ein herrlicher Ausgang für eine sehr strapazierende Reise. Und mein
nächster Auftrag – dem Herrn von Plauenstein den Ausrückbefehl nach Paal’Thamasch
zu übermitteln – folgte leider auf dem Fuße.

Confotos (Link zur Quelle)

Fotograf: XXXXXXXXXXXXXXXXX