Auszug aus dem Tagesbuch des Gardisten René Degouche, Garnisonsregiment zu Brückeck:

05.09.1025 MLZR
Vor 23 Jahren wurde ich meinem Vater folgend als Gardist in die Garnison aufgenommen. Schon bald jährt sich erneut der Beginn des Krieges. Herr Hauptmann Schmidt überreichte mir nach der Rückkehr von meiner Mission und der Auflösung meiner Truppe ein Empfehlungsschreiben. Ich solle mich in den Süden begeben, um mich dort bei der Feuerlanze einzuschreiben. Zusätzlich übergab er mir einen persönlichen Brief an mich. Herr Schmidt ist ein wahrer Freund und Ehrenmann.

 

07.09.1025 MLZR

Der Frontverlauf verschiebt sich entlang des Thalones. Das Verlassen meiner Heimat fühlt sich wie Aufgeben an. Ich befinde mich noch vier Tagesreisen von der angeblichen Stationierung des Regiments der Feuerlanze entfernt. Die Gegend ist von der Zivilbevölkerung häufig geräumt. Um Morgenbach läuft Vieh herrenlos herum, so dass ich zwar etwas zu Essen hatte, jedoch ein wiederaufgebauter Weiler überfallen worden sein musste. Eine Kuh, die offenbar gekalbt hatte, litt stark unter einem prallen Euter. Die Schreie hatten eine andere Qualität als die Schreie von Menschen. Mein Schwiegervater sagte, dass es schlimmes Leid sein muss, wenn eine Kuh nicht gemolken wird. Das Tier ließ sich nicht zum Aufstehen bewegen. Das Kalb war nicht zu finden. Neben zwei Schlurfern waren keine menschlichen Gestalten zu finden. Nach der Beseitigung der Schlurfer, habe ich habe mich entschieden, das Tier zu erlösen.

 

09.09.1025 MLZR
Vereidigung. Zum Abend erreiche ich ein Feldlager um einen teileingestürzten Hof. Der ehrwürdige Bruder Joseph aus dem Fischbachtal empfängt mein Empfehlungsschreiben und kommandiert mich aus Ermangelung an Zeit als vorläufigen Rekruten zu einer Schutzmission nach Haddrak ab. Ich werde dem Befehl von Herrn Korporal Lucius Sigismund unterstellt.

 

11.09.1025 MLZR
Nachdem die Verladearbeit beendigt ist, trennen wir uns von dem Hauptzug, der offensichtlich nicht die Feuerlanze ist. In den Morgenstunden reisen der Herr Korporal und zwei weitere Gardisten der Feuerlanze, Hakon und Levy, mit mir ab. Wir treffen uns mit einer Mara-Priesterin. Oh ihr Zwillinge, wieso stellt Ihr mich so sehr auf die Probe.

 

13.09.1025 MLZR

Aufnahme von Hochwürden Minzi aus gesichertem Gebiet und Aufbruch zum Portalstein nach Haddrak. Aktuell keine Informationen zum möglichen Feindgebiet. Herr Sigismund legt am Feuer dar, dass unsere Aufgabe der Schutz von Hochwürden, die Suche nach Verbündeten, der Kampf gegen Untote und die Beschaffung möglicher Ressourcen ist.

 

16.09.1025 MLZR

Ankunft im Heerzug nach Haddrak. Das Heer besteht höchstens aus einer Hundertschaft, eher weniger. Der Eindruck sind weniger ausgebildete Soldaten als Glücksritter und Abenteurer. Hochwürden teilt uns mit, dass wir auf der Suche nach unserer verschollenen Göttin sind.

Ich sollte mir keine Meinung anmaßen. Dennoch halte ich das Unterfangen für naiv und gefährlich, insbesondere unter der Betrachtung, dass in der Heimat der Krieg noch nicht gewonnen ist. Auch noch nicht verloren.

 

Persönliche Notiz: Hochwürdens Naivität erinnert mich an die Hochwürden Kalla aus Brückeck. Mara möge den Seelen der dort gebliebenen gnädig sein.

 

19.09.1025 MLZR

Herr Sigismund zeichnet sich als guter Korporal. Er wird im Feldzug schnell als militärischer Experte akzeptiert. Der nächtliche Einmarsch in das Inland muss sich freigekämpft werden. Unsererseits sind wir auf alle Situationen vorbereitet. Trotz der heimatlichen Entbehrungen ist das Feldmaterial in gutem Zustand und die Begleitung diszipliniert. Sogar Hochwürden beteiligt sich am Transport. Viele weitere Mitstreitende hoffen offensichtlich auf Plünderung und Beute, um ein Feldlager aufrecht zu erhalten. Die spätsommerlichen Temperaturen würden es möglich machen, auch bei erfolgloser Suche im Wald zu nächtigen. Aber der Feind kennt weder Schlaf noch Rast.

Kurz vor Mitternacht nahmen wir ein heruntergekommenes Feldlager ein.

 

In der Nacht wurde ein Friedhof des Feldlagers gereinigt. Dennoch wurde das Feldlager die ganze Nacht über von südländischen Kämpfern, Untoten, Hexen, die jedoch nicht mit Kriegshexen vergleichbar sind, sowie wilden Tierwesen, die an dämonische Gestalten erinnern, angegriffen. Eine Nachtruhe war nur in strikter Einteilung möglich.

Hochwürden beteiligte sich an der Aufklärung einer Krypta und den daraus gewonnenen Informationen. Zusätzlich wurde ich zu meiner ablehnenden Haltung und zu meiner Familie von ihr befragt.

 

In den vergangenen zwei Jahren habe ich mich an die Geräusche des Krieges sehr gewöhnt. Sie sind ständiger Begleiter und vertreiben die eigene Sehnsucht nach den geliebten Menschen, die nur schmerzen kann. Hochwürden versucht mich mit Liebe und Zuwendung zu behandeln. Eine Einigung auf gegenseitigen Abstand ist in der engen Situation der Mission nicht möglich. Ich kann meinen Dienst uneingeschränkt ausfüllen. Die Pflicht ist stärker als der Schmerz.

 

Wären wir in einer Zeit, als ich noch mit Hochstromern auf der anderen Flussseite zum Abendessen verabredet war, hätten Hochwürden und ich uns vielleicht anders begegnen können.

 

20.09.1025 MLZR

Innerhalb des Heerzugs bilden sich gute Verbündete heraus. Allen voran das 17te. Dabei handelt es sich um eine Ansammlung von Kindersoldaten, die im Kampf nun das Erwachsenenalter überschritten haben. Ein kompetenter und wahnsinniger Haufen. Ich empfinde Bedauern für eine ganze Generation, die nur im Kampf groß geworden ist. Gleichzeitig hege ich Bewunderung dafür, wie sehr sie das Leben feiern.

 

Das Zielobjekt wurde ausgemacht und ein Umgang damit erreicht. Der Heerzug brach das Lager ab, um ein Erdtotem in Form eines Setzlings zu bergen. Die Macht des Setzlings war überwältigend. Zum Schutz eingeteilt, war es mir nicht möglich die Zeremonie der Aufnahme oder später am Zielort das Einsetzen des Setzlings zu beobachten. Die Feuerlanze war stets zur Wacht und dem Schutz der Wirkenden eingeteilt. Hochwürden spielte als einzige Klerikerin eine tragende Rolle in der Aufgabenerfüllung. Hinsichtlich des Missionsziels, Mara zu finden, ergaben sich laut Hochwürden keine Hinweise.

 

Eine Entsatzungsmacht des Feindes kündigte sich an. Durch Palisadenbau und eine Verschleierungstaktik wurde der Standort des Setzlings verheimlicht. Wir wurden überrannt. Glücklicherweise hat man unser Leben geschont, da andere Ziele offensichtlich kritischer für den Erfolg der feindlichen Entsatzungsmacht waren. Mir blieb der Blick darauf versperrt. Auch der Herr Korporal konnte mir keine Einsicht in das Handeln des Feindes gewähren.

 

Wir verbrüderten uns weiter mit anderen teilnehmenden Truppen des Heerzuges und flohen vom Schlachtfeld.

 

21.09.1025 MLZR

Abreise zurück nach Viranes. Kein weiterer Feindkontakt. Die Mission Verbündete zu finden, wurde durch das 17te erreicht. Weitere Ressourcen konnten nicht geborgen werden.

Confotos (Link zur Quelle)

Fotograf: XXXXXXXXXXXXXXXXX