Ein Brief von Lucius an seinen Mitknappen Thorius

OT-Disclaimer: Dies ist ein geheimes IT-Dokument. Das bedeutet ihr kennt die hier enthaltenen Informationen nur OT und euer Charakter kennt sie IT nicht. Wenn ihr die Informationen IT verwenden wollt, dann müsst ihr sie euch IT erspielen. Das könnt ihr beispielsweise durch Gespräche mit den beteiligten Charakteren tun. Viel Spaß beim lesen 😊

Mein geliebter Bruder Thorius,

Du bist nicht wie wir auf dem Pfad des Ritters und sondern verschreibst Dich vollends dem Pfad des Paladins. Nichtsdestotrotz möchte ich Dir, als meinem geliebten Knappenbruder von unseren Erlebnissen auf der Turney vom Einhorn des Jahres 1026 nach Mittelländischer Zeitrechnung berichten.

Wir lagerten auf der Turney als Gäste und Freunde unserer Verbündeten aus Galladoorn. Bei diesen herrscht wie bei uns seit einiger Zeit Bürgerkrieg, wie Du sicherlich weißt. Soweit ich weiß hat ein gewisser Kolon von Rabenmund sich selbst zum „Kristallkaiser“ ausgerufen und sich gegen die rechtmäßige Herrschaft des Königs von Galladoorn erhoben. Ein getreuer Ritter dieses Kristallkaisers, ein gewisser Tauros von Hohenesch, war ebenfalls Teilnehmer der Turney, wurde jedoch durch irgendein faules Hexenwerk im Tjost verwundet und schied so aus. In geheimen Gesprächen stellte sich heraus, dass dieser Tauros von Hohenesch dem Kristallkaiser nicht aus freien Stücken die Treue geschworen habe, sondern ihm die Treue nur unter Zwang hält. Er sei angeblich bereit zu kooperieren und die Seite der Königstreuen zu unterstützen. Im späteren Verlauf der Turney reiste sogar der König von Galladoorn höchst selbst an und beehrte uns mit seiner Anwesenheit. Es folgte ein Galladoorner Kriegsrat im Zuge der neu gewonnen Erkenntnisse.

Unser geliebter Herr Komtur schlug sich wie zu erwarten war ganz hervorragend im Turnier. Im Fußkampf konnte er den Freiherrn von Naxen überwinden, verpasste den Einzug in die weiteren Runden jedoch, aufgrund äußerst zweifelhafter Entscheidungen der Kampfrichter. Im Tjost brillierte Arcturus wie zu erwarten war. So erreichte er das Endsegment des Tjosts, trotz der äußerst fähigen Kontrahenten auf die er traf. So besiegte er beispielsweise den bekannten aturianischen Ritter Matteo da Ponte. Später wurde er jedoch äußerst knapp von unserem Galladoorner Freund Ulrich von Lichtenfels geschlagen, welcher ins Finale einzog, dieses jedoch nicht für sich entscheiden konnte.

Leider trugen sich auch düstere Dinge auf der Turney zu und so erfuhr unser lieber Arcturus von der Galladoorner Ritterin Alana von Leuenfels, auf deren Burg wir im Winter letzten Jahres Gäste eines Ritterkonvents waren, von den ehrenlosen Taten der Dame Antonella. Diese Offenbarungen schockierten uns sehr, die Details erspare ich Dir an dieser Stelle, aber es bleibt leider nur zu sagen, dass diese Antonella wirklich eine dreckige Dirne sein muss und die Gunst eines so edlen Herren wie unserem Arcturus in keinster Weise verdient hat. Wenn sie keine Frau wäre, wäre ich stark gewillt diese Person zu fordern.

Unser geliebter Arcturus war natürlich von den schrecklichen Offenbarungen tief getroffen, jedoch wurde er prompt von einer lieblichen Baronin aus dem Lande Naxen umgarnt. Die beiden schienen sich sehr gut zu verstehen und diese Partie scheint eine deutlich passendere zu sein, als diese falsche Viper Antonella.

Im Zuge der Turney nahmen Josef und ich an diversen Knappenrunden teil und es gab viel zusätzlichen Knappenuntericht. So absolvierte ich beispielsweise diverse Kampfübungen unter den Anleitung der Galladoorner Ritterin Leona von Grünwied, die ich in besonderem Maße schätze.

In seiner unermesslichen Weisheit und seinem gütigen Erziehungsstil schickte Arcturus Josef und mich in das Lager der aturianischen Ritter Matteo da Ponte und Nicola de Castegliani. Anwesend war ebenfalls der befreundete Ritter Jean-Étienne de Montmirailles-Birkenhain. Wir sollten die drei Ritter kennenlernen und wurden, ohne das vorher zu wissen, von diesen geprüft und eingeschätzt. Unser Herr wollte sich die Meinung dieser höchstgeschätzten Herren zu uns als Knappen und womöglich baldigen Rittern einholen. Die Gespräche waren kurzweilig und unterhaltsam, ich kann die drei Herren und ihre Gastfreundschaft tatsächlich nur loben. Uns wurden diverse kleine Köstlichkeiten gereicht, häufig aturianischen Ursprungs. Vor allem der eisgekühlte Limoncello, eine aturianische Spezialität war bei dem warmen Wetter wirklich ein Segen. Die Gespräche führten uns schließlich zum Bürgerkrieg gegen die Untoten in unserer Heimat und zur Frage, warum die Ritterschaft Moris Lunas die nekromantische Strafe in erster Linie überhaupt geduldet hat. Leider konnten wir diese difficile Fragestellung so nicht direkt beantworten und konnten nur auf den Konflikt zwischen der Treue zum eigenen Lehnsherren und der Treue zu den ritterlichen Tugenden hinweisen.

Auf der Turney konnten wir häufig schöne und interessante Kämpfe zwischen den versammelten Turnierrittern bestaunen, auch wenn die Entscheidungen der Turnierrichter manchmal für meinen Geist doch sehr fragwürdig waren. Besonders hervorheben möchte ich in diesem Zuge den Ritter Betram Cosimo Guiscard aus dem fernen Nilfgaard hervorheben. Selten habe ich jemanden mit solch meisterlichen Fähigkeiten mit dem langen Schwert sehen dürfen. Seine hohe Schwertkunst erfreute meine Seele und ich bin mir sicher, dass sie auch Dir, mein lieber Thorius, Freudentränen in die Augen getrieben hätte. Wenn ich hoffentlich bald ebenfalls in den Ritterstand erhoben werde, hoffe ich inständig, dass ich diesem Herren einmal wieder begegnen möge und ihm Geiste des freundschaftlichen Austauschs die Klingen mit ihm Kreuzen kann, um von seiner Schwerstkunst zu lernen.

Auf der Turney war wirklich eine hohe Qualität der heutigen Ritterschaft versammelt. So lernte ich nun den weitbekannten Ritter Gottfried von Greifenstein aus Allerland kennen, der weit und breit für seine Minnekunst bekannt ist. Wir führten ein tiefes Gespräch über das Rittertum und über die Minnekunst. Ich fragte ihn aus zu Allerlei Dingen, und insbesondere der Minne und seiner Minnekunst. Unser Gespräch hat mich wahrlich inspiriert. Ich möchte von nun an einen sehr viel größeren Teil meiner Aufmerksamkeit der Minne und der Stärkung meiner Minneclichkeit widmen. Einen ersten Erfolg bei diesen Bestrebungen konnte ich glücklicherweise am letzten Abend erringen. Es hat ein schweres Unwetter mit heftigen Regengüssen gegeben und so war eine Bank auf die sich zwei Ritterinnen setzen wollten wirklich stark durchnässt. So bot sich mir die Gelegenheit den Damen und Zuhilfename meines Knappenmantels eine trockene, wärmende und weichere Sitzgelegenheit anzubieten, welche sehr dankbar angenommen wurd.

Auch möchte ich von einem allerländer Mitknappen berichten, der enormen Schneid bewiesen hat. Sein Name ist mir im Augenblick leider entfallen, aber er beendete am letzten Tag der Turney seine Knappschaft und wurde feierlich in den Ritterstand erhoben. Du fragst Dich nun bestimmt, wie jemand sich meine Achtung in solch einem Maße verdienen konnte?

Es hat sich zugetragen, dass für den vorletzten Abend noch ein adequater Ort für eine weitere, abendliche Knappenrunde gesucht wurde. In diesem Zuge sprach der Herr  Ulath Hermann von Treuenturm aus Galladoorn eine Einladung an die Knappen aus, sich zu diesem Zwecke am Abend im Lager der Galladoorner zu versammeln. Jedoch reiste an diesem Tag auch seine Majestät der König von Galladoorn, Silvanus Magnus von Eichenhain, an und erfreute alle Anwesenden mit seiner erhabenen Präsenz. Gegen Abend saß seine Majestät nun samt Rittern und Gefolge in ebenjenem Galladoorner Pavillon, wie es selbstverständlich auch sein gutes Recht war. Den meisten Menschen, mich eingeschlossen hätte nun sehr sicher der Schneid gefehlt, die entstandene Situation vor dem König anzusprechen. Nicht jedoch mein damaliger Nochmitknappe. In respektvoller Haltung, jedoch ohne eine Spur von Unterwürfigkeit trat er mit festem Blick vor den König und bat um das Wort. Nachdem der König ihm dieses erteilt hatte, schilderte er die peinliche Situation die sich nun ergeben hatte, da ja nun an ebenjenem Ort eine Knappenrunde stattfinden solle, jedoch sich natürlich auch niemand anmaßen würde den König aus seinem eigenen Lager vertreiben zu wollen. Mit seiner respektvollen, aber schneidigen Art hat mein Mitknappe sich meinen Respekt verdient. Doch auch der König stieg durch die Situation weiter in meinem Ansehen. Nach einem kurzen Moment des Überlegens stand er von seinem Thron auf, und eröffnete seinen Gefolgsleuten „Lasst und weiterziehen, wir befinden uns in einer Knappenrunde.“ Seine überlegte Art und seine menschliche Größe in dieser Situation haben mich tief bewegt und mir ein großes Maß an ehrlichem Respekt für den Mann abgerungen.

Zur besseren Einordnung, als mein geliebter Knappenbruder vieler Jahre kennst Du mich natürlich gut und weißt, dass ich keinster Weise auf den Mund gefallen bin und diesen auch gegenüber so ziemlich jedem ohne Probleme einzusetzen weiß. Doch die Gravitas des Königs von Galladoorn ist von einem solchen Ausmaß und die Würde mir der er sich trägt ist von einer solchen Güte, dass seine Präsenz mich in einen ganz ungewohnten Zustand versetzt: Ehrfurcht und Hemmung.

Doch konnte auch ich meine hemmende Ehrfurcht vor dem König in einem gewissen Maße überwinden, da ich ihn am letzten Abend der Turney in einem persönlicheren und etwas kleineren Kreis nahbarer und persönlicher kennenlernen durfte. So entwickelte sich an ebenjenem letzten Abend der Turney eine gemütliche und sehr lehrreiche Runde im Lager der Allerländer zu der später sogar der König von Galladoorn höchstselbst stieß. Es ergaben sich spannende Fragestellung und Diskussionen um die Ehre des Ritters und das Gewicht der Tugenden, sowie über die Entscheidungsfindung in Situationen in denen sich diese Tugenden widersprechen. Die verschiedenen Perspektiven der anwesenden Ritterinnen und Ritter, sowie auch die sehr spannende Perspektive des Königs waren gleichermaßen unterhaltsam wie lehrreich für mich.

Ich denke, Du solltest uns zukünftig einmal ins schöne Nuremburg zur Turney des Einhorns begleiten, um dich von der Pracht und hohen Qualität der anwesenden Ritterschaft selbst zu überzeugen. Ich verspreche Dir, es wird ein Schaden nicht sein.

Ich hoffe, dass wir bald einmal wieder in einem freundschaftlichen Übungskampf die Klingen kreuzen werden.

In brüderlicher Liebe, dein Lucius