Ein Brief von Don Anselmo an Seine Hoheit Don Pietro de Popanza, Herzog von Trabant

An Seine Hoheit Don Pietro de Popanza, Herzog von Trabant,

 

Euer Gnaden baten mich, in regelmäßigen Abständen über die Vorgänge der kriegerischen Auseinandersetzungen in Moris Luna Bericht zu erstatten. Das gewagte taktische Manöver, welches als „Sichelschnitt“ bezeichnet wird, ist in vollem Gange: Die tapferen Truppen aus Rebhain sind in Begleitung von „Dorsems Wächtern“ sowie der „Kirche der Sune“ erfolgreich in Virra angelangt. Ein seit einigen Wochen anhaltendes Bombardement bereitet indes den Sturm auf die Stadt vor. Die mittelschweren Trebuchets, die Dank Euer Gnaden Fürsorge aus unserem Arsenal in Trabant entsandt wurden, erweisen sich als äußerst zweckmäßig. Die gefährdete Westflanke zwischen Plaue und Thalsee hält indes weiterhin stand.

 

Nahe bei Virra errichtet unsere Abteilung ein Kriegslager in einem alten Gehöft, was jedoch mehrfach von marodierenden Söldnern und Unholden heimgesucht wird. Der Feind führt hier einen unehrenhaften Guerillakrieg, so dass wir unter steter Alarmbereitschaft lagern. (Foto 01)

Zudem wird einer der örtlichen Wasserläufe durch unheilige Magie verseucht. Um die Einsatzfähigkeit der versammelten Truppen auf Dauer zu gewährleisten werde ich durch den Komtur beauftragt, einen autarken Brunnen zu errichten, der die Wasserversorgung sicherstellten soll. (Foto 02)

Die Ursache für die Verseuchung des Baches findet sich in einem verfluchten Artefakt am Quell des betreffenden Wasserlaufes. Jenes kann von den Kriegshexen unter Mithilfe der Kirche der Sune nach etlichen mühsamen Versuchen entschlüsselt und gebannt werden. (Foto 03)

Derweil entlarvt Leutnant Darius von Plauenstein anhand einer von mir erstellten Skizze über die örtlichen Bachläufe einen perfiden Plan des hinterhältigen Feindes: Jener beabsichtigt mutmaßlich die Wasserläufe der gesamten Region zu vergiften, um die Einsatz- und Kampfbreitschaft der versammelten Truppen zu schaden. Diese Gefahr kann, allen guten Göttern zum Dank, rechtzeitig gebannt werden. (Foto 04)

 

Es sei als Randnotiz vermerkt, dass es während der Kämpfe zu einer Mordtat durch einen ranghohen Offizier der Feuerlanze kommt: Leutnant Darius von Plauenstein selbst wird angeklagt, einen wehrlosen Kriegsgefangenen kaltblütig getötet zu haben. Ich selbst stehe während der Untat unweit des Tatortes, so dass es nicht zuletzt meiner Aussage vor dem Standgericht zufällt, dass von Plauenstein schuldig gesprochen wird. Der Schuldspruch kann nur der Tod heißen. Indes wiegt der zu Gericht sitzende Komtur den veritablen Leumund und die akute Kriegssituation gegen die Rechtslage ab und entscheidet, dass von Plauenstein weiterhin für die Kampfkraft der Truppe einzustehen habe. Zudem solle er auf eigene Kosten ein Versehrtenheim in Plauenstein errichten und auf Dauer unterhalten.

 

Doch es kommt im Verlaufe der Geschehnisse noch arger: Inmitten tiefster Nacht werden mehrere Kameraden durch dämonische Wesenheiten entführt. Über die genauen Umstände vermag ich nicht mit ausreichender Klarheit zu berichten, zu groß sind die unheiligen Einflüsterungen, deren meine Kameraden und ich uns während der nächtlichen Rettungsmission erwehren müssen. Nur so viel sei gewiss: Der Zauberbann, welcher eine kreisrunde, bläulich schimmernde Barriere zwischen uns und den Wesenheiten erzeugt, ist derart gewaltig, dass der Komtur beim Versuch, diese Barriere zu durchbrechen, seine linke Hand verliert. (Foto 05) Inmitten der Schlieren und Blitze kann ich indes ein Wesen erblicken, dessen Haupt von zwei bizarren Hörner gekrönt wird. Über die weiteren Hintergründe werde ich Euer Gnaden in einer separaten Depesche Bericht erstatten. (Foto 06)

 

Abschließend sein noch vermeldet, dass zwischenzeitlich Virra erfolgreich erobert wurde, so dass der Heerzug zur Befreiung der okkupierten Gebiete nun ein wichtiges Zwischenziel erreicht hat.

 

Ich verbleibe weiterhin als Militärattaché Euer Gnaden bei der Feuerlanze

und Euer Gnaden ergebener Diener,

Don Anselmo Madalena da Yaquirion

Ein Brief an Hauptmann Arvid von Ariadne

Lieber Bruder,

mögen dich diese Worte in Gesundheit und Sicherheit erreichen.

Wisse, dass ich diese Worte unweit des achten Manövers verfasse und mich selbst momentan nicht in Gefahr befinde. Am morgigen Tag werden einige Sune Gläubige sowie Karl-Heinz zu mir stoßen. Talon, Evenlina und Helena werden mit mir und Georg nach Dolchfurt reisen.
In den letzten Tagen ist so viel passiert, dass ich nicht weiß, wo ich anfangen soll und meine Gedanken sind immer noch ungeordnet.
Ich will es dir so kurz und schmerzlos wie möglich erzählen, auch weil ich gerade nicht anders darüber reden kann. Arvid, mir wurde das Feuer Sarephs genommen. Zwar wurde ich nicht aus der Gemeinschaft meiner Schwestern verbannt, aber es ist deutlich, dass mein Weg außerhalb des Landes, vielleicht sogar außerhalb des Kontinents führt.
Unser Lager wurde von Anhängern eines Agil Kultes unterwandert und es verschwanden mehrere Schmuckstücke. Darunter auch der Anhänger der Hohepriesterin, den ich in einer Taverne von einem Wesen und ihrer ehemals besten Freundin erhielt. Du weißt wie viel er mir bedeutet. Auch Thorius, Yelena und Georg wurde ein emotionaler Gegenstand genommen und in einem dunklen Ritual missbraucht, um uns willenlos und kampflos zu halten. Einem jedem von uns wurde das Wichtigste unseres Lebens in diesem Ritual genommen.
Mir die Flamme, Georg die Liebe und Verbindung zur Göttin und Yelena und Thorius verloren ihr Seelenband. In einer Vision erschien Sareph Evelina, Arcturus und Circe und so wurde deutlich, dass eine Erneuerung der Bindung zu den Zwillingsgöttinnen für Georg und mich unmöglich ist. Wir müssen unsere Glut an anderer Stelle neu entfachen.
Lass dich von dieser traurigen Kunde bitte nicht von deiner wichtigen Arbeit ablenken und mach dir auch bitte keine Vorwürfe nicht da gewesen zu sein. Ich habe schon zu Circe gesagt, dass selbst die Göttinnen der Macht Agils nur begrenzt entgegentreten können und die Macht eines jeden Menschen nicht ausgereicht hätte, diese Tragödie zu verhindern.

Falls es dich außerdem noch nicht erreicht hat, möchte ich, dass du weißt, dass wir eine Eisenkiste in einem Fluss fanden, der in den Thalsee mündet. Durch Visionen und weitere Hinweise, besteht die Vermutung, dass auch in anderen Flüssen solche Kisten platziert wurden oder werden. Sie sind gut gesichert, die giftigen Steine in ihrem Inneren sind mit äußerster Vorsicht zu behandeln und bisher haben wir keinen sicheren Weg gefunden, sie zu vernichten. Der Mechanismus sie zu öffnen ist fünfstufig aufgebaut, wobei man sich immer weiter ins Innere vorarbeiten muss und alles nacheinander entschärfen muss. Denn meist müssen die vorherigen Mechanismen gelöst worden sein, um die Nächsten überhaupt lösen zu können.

Außerdem hat Yelena, Circe und mich eine Nachricht unserer Schwestern aus Langspitz erreicht. Noch können sie ausharren, allerdings gehen ihre Nahrungsmittel langsam zur Neige und es ist Eile geboten. Tu bitte Hauptmann Dinge, wenn es deine Aufgaben erlauben.

Um meinen Brief mit positiven Nachrichten zu beenden: Es haben alle überlebt, Teophania ist jetzt offiziell Paladinknappin der Mara, Marigold muss keinen weibischen Alten heiraten und Jean Luc solltest du unbedingt mal nach seiner Bekanntschaft mit einer Fee fragen. Er wird dir sehr expressiv und doch in absoluter Stille antworten. Vielleicht schreibt er ja ein Lied über sie, in dem es einen Mitmachteil gibt, bei dem alle Zuhörer „Fee“ oder so etwas singen müssen. Morgen reise ich dann zum ersten Mal zur Kirche der Sune.

Die Göttinnen sollen über dich wachen. Wir sehen uns bestimmt wieder.

Deine Schwester Ariadne

Confotos