Tagebucheintrag von Valeska Seidelbast,verfasst am 1. Februar 1025

Ich weiß gar nicht, wie ich all das aufschreiben soll, was in den letzten Tagen geschehen ist. Es fühlt sich an, als wäre ich Teil einer Geschichte geworden, die sonst nur Barden erzählen.

Vor einigen Tagen erhielten wir eine Einladung zum Maskenball auf Schloss des Fürsten Frostmark. Da meine Herrin selbst nicht reisen konnte, schickte sie mich an ihrer Stelle. Ich war aufgeregt und auch ein wenig nervös – schließlich war ich noch nie Gast auf einem solch prächtigen Fest. Doch die mutigen Frauen und Männer der Feuerlanze begleiteten mich, und das gab mir etwas Sicherheit.

Als wir das Schloss erreichten, konnte ich meinen Blick kaum von den Hallen lösen. Überall hingen kunstvolle Verzierungen, Kerzen tauchten alles in warmes Licht, und es schien, als hätte man keine Mühen gescheut, diesen Ort in etwas Märchenhaftes zu verwandeln. Viele wichtige Menschen waren dort, beispielsweise auch von der Kirche der Sune. Als der Abend hereinbrach, erklangen Musik und Gelächter und es wurde getanzt, bis die Kerzen tief heruntergebrannt waren.

Der folgende Tag war ganz den Wettstreiten gewidmet. Es gab einen Debattierwettstreit, ein Wettschießen mit Pfeil und Bogen, eine Schatzsuche, und noch viele weitere Disziplinen. Besonders der Schwertkampf auf dem eisigen Wasser war ein Anblick, den ich wohl nie vergessen werde. Überall begegnete man Menschen, die lachten, mitfieberten, ihre Freunde anfeuerten – oder Wetten abschlossen.

An diesem Tag erzählten mir Hasel und Minzi außerdem vom Zwillingsglauben und von Mara und Sareph. Es war spannend, mehr über ihren Glauben und ihre Überzeugungen zu erfahren, und ich werde sicher noch lange darüber nachdenken.

Doch nichts hätte mich auf den Abend vorbereiten können.

Als Ballkönig wurde der junge Rekrut Levi von der Feuerlanze ausgerufen. Ich musste unwillkürlich lächeln, denn noch am selben Tag hatte er beim Schwertkampf auf dem Eis eine ordentliche Niederlage einstecken müssen. Dass gerade er nun diese Ehre erhielt, freute mich sehr.

Und dann fiel der Name der Ballkönigin.

Meiner.

Ich war so überrascht, dass ich für einen Augenblick glaubte, mich verhört zu haben. Noch immer fällt es mir schwer, das zu glauben. Warum ausgerechnet ich? Zwischen all den edlen Damen und all den beeindruckenden Gästen hätte ich niemals damit gerechnet.

Als Levi mir die Hand reichte und wir gemeinsam den ersten Tanz eröffneten, war ich furchtbar aufgeregt. Doch kaum erklang die Musik, verflog meine Unsicherheit. Der Saal war erfüllt von Lachen, Musik und fröhlichen Stimmen. Es war einer dieser seltenen Abende, von denen man hofft, dass sie niemals enden.

Jetzt, da ich diese Zeilen schreibe, frage ich mich, ob das alles wirklich geschehen ist. Die letzten Tage waren schöner als jeder Traum und ich möchte gar nicht zurück nachhause.

Bevor ich mich jetzt schlafen lege, werde ich noch einmal nach draußen gehen. Vor meinem Fenster leuchtet etwas aus dem Wald heraus, und ich würde zu gerne wissen, was es damit auf sich hat…

Confotos (Link zur Quelle)

Fotograf: XXXXXXXXXXXXXXXXX